„Das mit dem Handeln sollten wir lieber noch einmal üben…“

BIGJOURNEY - Handeln in Vietnam - Reiseberichte - Hanoi

„Lasst euch bloß keine überteuerten Touri-Preise andrehen“ – diesen Satz hörten wir vor (und auch während) der Reise seeehr oft. Natürlich war uns klar, dass Vietnam ein Land ist in dem oft um den Preis gefeilscht wird. Doch nicht hinter jedem Straßenhändler oder Taxifahrer steckt ein ober-dreister gemeingefährlicher Touristen-Abzocker. Dennoch ist das mit dem Handeln und Feilschen um den Preis so eine Sache…

Fest entschlossen uns bei Ankunft am Flughafen in Hanoi nicht in irgend einen überteuerten Mini-Bus hinein quatschen zu lassen, der uns in die Stadt bringt, verließen wir das Gebäude. Wie erwartet wurden wir direkt von mindestens 10 Fahrern belagert. Doch wir blieben standhaft und machten uns auf die Suche nach der Bushaltestelle. Dort gibt es nämlich einen Bus, der uns für umgerechnet ca. 50 Cent pro Person in die Stadt bringt. Nach wirrem hin und her Laufen, wurden wir sogar fündig. Bedacht haben wir bei unserem ausgeklügelten Plan jedoch nicht, dass Busse hier nicht regelmäßig fahren. Also entschlossen wir uns nach einer Stunde warten, doch für das „Abzocker-Taxi“, vor dem wir vor der Reise so eindringlich gewarnt wurden und es geschah genau das, was wir umgehen wollten. Am Taxi-Stand angekommen, wurden wir schnell in das Fahrzeug hinein geschoben, ohne das wir den Preis überhaupt nur ansatzweise erfragen konnten. Als wir drinnen saßen ging es dann auch direkt los. Wir fragten den Fahrer nach dem Preis. Er schien kein Englisch zu verstehen und stammelte nur etwas von „25 Dollar Person“. „Herzlichen Glückwunsch, Sie zahlen den typischen und überteuerten Touristen-Preis“, dachte ich mir nur und starrte die ganze Fahrt über gebannt auf das Taxometer. Am Hotel angekommen, waren es dann umgerechnet zum Glück nur um die 10 Euro pro Person. Trotzdem haben wir uns fest vorgenommen, beim nächstes Mal den Preis vorher zu erfragen und wenn uns dieser zu hoch erscheint auch unser Verhandlungsgeschick unter Beweis zu stellen.

Am nächsten Morgen begaben wir uns dann auf Erkundungstour durch die Altstadt von Hanoi, als uns eine lustige und aufgeweckte kleine Frau über den Weg lief. Sie trug eine lange Stange über die Schulter, an der links und rechts zwei Körbe mit Obst befestigt waren. Als sie unsere Kamera sah, sprintete Sie im Eiltempo auf uns zu und ehe ich mich versah, hing die Stange auf meiner Schulter und ihr Kegelhut zierte meinen Kopf. „Photo! Photo!“, sagte sie begeistert. „Naja, sieht doch ganz witzig aus. Machen wir doch einfach mal schnell ein Foto. Als Dankeschön kaufe ich ihr auch ein paar Bananen ab“, dachte ich mir. Nachdem sie auch noch Dennis die Stange übergehängt hatte, packte sie in Windeseile ein paar Bananen und eine geschnittene Ananas in eine Tüte und drückte sie mir in die Hand. „So viel wollte ich doch gar …“, bevor ich meinen Gedanken zu Ende führen konnte, nannte sie mir schon den Preis: „120.000, 120.000…“ wiederholte sie immer wieder. Dennis und ich schauten uns an: „120.000? Wie viel Euro sind das denn jetzt noch mal? Hm, warte, also 1 Euro sind ungefähr 24.000 bis 25.000 Dong…“ – die kleine quirlige Frau fiel uns immer wieder ins Wort. „Ach komm 120.000 Dong wird schon passen“ und ohne weiter darüber nach zu denken, gaben wir ihr das Geld. Nachdem wir ein paar Meter gegangen sind, schaute ich Dennis schockiert an: „Ich habe gerade 6 Euro für 5 Mini-Bananen, eine kleine Ananas und ein Foto, auf dem ich richtig scheisse aussehe, bezahlt!“. Anfängerfehler – nächstes Mal werde ich in Ruhe den Preis umrechnen und erst dann bezahlen und wenn mir der Preis zu hoch erscheint, werde ich mein Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen.

Im Gegensatz zu Dennis bin ich wenigstens fest entschlossen, bei definitiv zu hoch erscheinenden Preisen zu Handeln. Er hingegen fühlt sich bei jedem Cent, den er den genannten Preis nach unten schraubt, als Unmensch der Nation. „Wegen mir bekommen ihre 6 Kinder zu Hause nichts zu essen“, „Stell dir vor ihre Familie zu Hause muss wegen mir jetzt frieren“, „Denkst du, dass sie jetzt ihr Gesicht verloren hat, weil ich einen niedrigeren Preis bezahlt habe als den, den sie mir genannt hat?“ – solche Aussagen kommen bei jedem verhandelten und NICHT-verhandelten Preis aus ihm heraus gesprudelt. Eine Verhandlung von Dennis könnt ihr euch demnach in etwa so vorstellen: „Sorry, how much is it?“ – „100.000 Dong.“ – „Hm, how about 40.000?“ – „No, 90.000“ – „Ok, ok i will give you 120.000.“ Er schafft es einfach nicht die Mentalität „genannter Preis ist Preis, egal wie hoch“, aus Deutschland abzulegen.

Unser Fazit zu diesem Thema…

Klar, man muss wirklich vorsichtig sein, dass man nicht bei jedem Preis denkt, dass das ein Touristen-Preis ist, den man mit allen Mitteln nach unten drücken muss. Oft sind die genannten Preise von vorn herein schon sehr fair. Ich habe mehrmals beobachtet, dass wir genauso viel gezahlt haben, wie Einheimische auch. Dennoch sollte man aufpassen, dass man mit dieser Einstellung nicht auf die Nase fällt. Denn hin und wieder wird eben doch versucht, den Touristen einen überteuerten Preis aus den Rippen zu leiern. Wir haben uns vorgenommen, dass wir stets den Preis zahlen, der uns für ein Produkt angemessen erscheint. Wenn das der erste genannte Preis ist, dann zahlen wir den eben auch. Für alle anderen Fälle gilt jedoch, das mit dem Handeln sollten wir lieber noch einmal üben…

Die Autorin: Vanessa

Hallöchen, mein Name ist Vanessa und ich bin die Organisationseinheit auf unseren Reisen. Ich bin Sonnenanbeterin und eine absolute Wasserratte, daher liebe ich besonders den Strand und das Meer. Ganz nach dem Motto „collect moments not things…“, genieße ich jeden einzelnen Moment, den ich mit außergewöhnlichen Erlebnissen verbringen kann.

2018-01-26T22:13:38+00:00

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