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Laos – eine (Horror-) Fahrt im VIP-Bus

Von Luang Prabang nach Huay Xai (an der thailändischen Grenze)

„Guck mal, da drüben!“ – Vanessa deutet in den Himmel, während ihr erwartungsvoller Blick an mir haftet. Mit zugekniffenen Augen und meiner Hand vorm Gesicht schaue ich rauf. Die Wolkenformationen sehen aus wie Elefantenbabys, welche mit einem Autoreifen großem Ball spielen. Durch zarte Windböen getrieben wirkt es, als ob sie an uns vorbei tollen. Wir kichern und…

Ich öffne die Augen. Es ist finster. Wir sitzen in einem 40 Grad heißen Bus auf dem Weg von Luang Prabang nach Huay Xai (auch Ban Houayxay genannt). Wir fahren mitten durch die Berge von Laos. Jede 15 Sekunden werden alle Passagiere quer durch den Bus gewirbelt, da der Busfahrer vor jeder 180° Kurve noch ein wenig extra auf das Gaspedal tritt.

„Es ist der VIP-Bus!“, wurde uns gesagt. Nun befinden wir uns mit ca. 80 Leuten in einem Bus, der für maximal 50 Leute ausgelegt ist. Wer ein Sitz hat, darf sich glücklich schätzen, denn die Übrigen müssen sich in den Gang oder – ja, das meine ich ernst – in den Fußraum vor den Sitzplätzen setzen bzw. auf den Boden legen. Mein Sitznachbar übergibt sich – das scheint bei Laoten während einer Busfahrt so üblich. Es ist die vierte Tüte heute. Übertroffen wird seine Quote nur von seinem Sitznachbarn, der nun bei Nummer 5 angekommen ist. Das die Person direkt hinter uns auch ständig würgt, versuche ich gekonnt auszublenden – das Alligatoah Album auf den Kopfhörern schafft zumindest akustische Ablenkung.
Geworben wurde mit 10 Stunden Fahrt. Angekommen sind wir nach 14 Stunden.

Es ist 5 Uhr morgens und taghell. Ich wanke aus dem Bus und wenn ich nur halb so schlimm aussehe wie ich rieche, müsste mir eigentlich jeder mit gesundem Menschenverstand ausweichen. Aber nicht so die Tuk Tuk-Fahrer. Sie sind die Aasgeier unter den Beförderungsunternehmern. Freundlich fragt er mich „TUK TUK?“ – ich bejahe und wünsche mir, dass er mich einfach nur weg von diesem Bus bringt. Soweit weg, wie nur irgendwie möglich!

Am Hotel (Oudomsin Hotel) angekommen, steht ein ca. 30-jähriger Laote vor uns und reibt sich die Augen. Während er uns zum Zimmer führt betont er, dass er noch sehr müde sei und wir Glück haben, dass er grade aufgewacht ist. Er führt das Gespräch aus Höflichkeit noch ein wenig weiter, aber ich habe schon auf Standby geschaltet und will nur noch in ein Bett. Als er die Tür öffnet bin ich den Tränen nahe – es ist das gemütlichste Bett, dass ich während der letzten 4 Monate gesehen habe! Ich werfe meinen Rucksack von den Schultern und mache einen gekonnten Sprung in das Bett.

„Guck mal, da drüben!“ – Vanessa deutet in das Badezimmer, während ihr erwartungsvoller Blick an mir haftet. Mit zugekniffenen Augen und meiner Hand vorm Gesicht schaue ich zu ihr rüber und antworte. „Ja ich weiß, die Elefantenbabys… zZzZzZ“.

-Happy End-

Einige Fakten zur Fahrt von Luang Prabang nach Huay Xai

Es gibt zwei Möglichkeiten, wenn man von Luang Prabang aus direkt an bzw. über die thailändische Grenze reisen will. Zum Einen den Bus, zum anderen das Longboat. Da das Longboat 2 Tage braucht und auch nicht sonderlich gemütlich zu sein scheint, haben wir uns für den Bus entschieden – ob wir das jetzt noch einmal so machen würden ist fragwürdig. Vermutlich würden wir noch einen Zwischenstopp einlegen.

  • die Fahrt von Luang Prabang nach Huay Xai kostete in etwa umgerechnet 8 Euro
  • wir wurden von einem TUK TUK am Hotel abgeholt und anschließend etwas außerhalb zu einem, zumeist von Einheimischen besuchten, „Busbahnhof“ gebracht
  • dort hat der Fahrer (der kein Wort Englisch verstand) unsere Tickets noch einmal umgetauscht
  • anschließend wurden wir in ein anderes, viel zu volles, TUK TUK mit Einheimischen umgeladen
  • dieses brachte uns noch weiter Weg von Luang Prabang, irgendwo auf eine Straße
  • dort hat uns dann der „VIP-BUS“ aufgegabelt – Dennis und ich erhofften uns einen Sleeper-Bus, da die Fahrt 10 Stunden dauern sollte und über Nacht ging – stattdessen war das ein alter klappriger Bus ohne Klimaanlage
  • es gab einen Zwischenstopp nach ca. 3 Stunden, wo man etwas essen und das Klo aufsuchen konnte
  • wer empfindlich bei kurvenreichen Strecken ist, sollte UNBEDINGT Reisetabletten dabei haben. Das gilt übrigens für ganz Laos. Bei Laoten scheint es normal zu sein, dass sie sich permanent während der Fahrt übergeben
  • Ankunft nach 14 Stunden Fahrt
  • der Busbahnhof von Huay Xai liegt etwas außerhalb, sodass man ein TUK TUK nehmen muss, um in die Stadt zu kommen
  • mit unserem Hotel waren wir wirklich sehr, sehr zufrieden. Es war das Oudomsin Hotel, nicht Oudomsin Guesthouse

Nachdem wir einen Tag in dem schönen kleinen Ort Huay Xai verbracht haben – dort trennt einen übrigens nur noch der Fluss von Thailand – ging es für uns über die Grenze nach Thailand und weiter nach Chiang Mai. Wie das genau ablief, findet ihr bald in einem eigenen Artikel.

Falls ihr noch Fragen oder auch Anregungen zu unserem Artikel habt, dann lasst uns gerne einen Kommentar hier oder kontaktiert uns direkt über unser Kontaktformular. 🙂

Der Autor: Dennis

Yüha, ich bin Dennis. Ich habe einen Faible für Rap-Musik, kreatives Marketing und frittiertes Essen. Für mich ist Reisen die Möglichkeit, meinen Alltag auf Stand-by zu schalten. Außerdem finde ich, Herrenhäuser ist das beste Bier. Cheers!

2018-10-18T08:34:31+00:00

4 Comments

  1. Mia Dezember 22, 2016 at 12:01 pm - Reply

    Im Nachhinein dann eine amüsante Geschichte, aber währenddessen bestimmt die Hölle, haha. Aber dadurch bin ich jetzt froh, das Slow Boat gemacht zu haben und nicht den Bus (vor ein paar Tagen) 😀 Das Slow Boat war wirklich Slow, aber recht gemütlich und die Fahrt pro Tag etwas kürzer und deshalb denke ich angenehmer als im Boot. Außerdem hat sich niemand übergeben, haha 🙂

    • Der Autor: Dennis
      Der Autor: Dennis Dezember 31, 2016 at 4:36 pm - Reply

      Hey Mia,
      danke für deinen Kommentar – da scheinst du dich definitiv richtig entschieden zu haben. 🙂 Es ist zwar auszuhalten im Bus, aber wir wissen auch nicht, ob wir das noch einmal so machen würden. Dadurch, dass wir nachts gefahren sind, haben wir auch gar nichts von der schönen laotischen Landschaft sehen können. Das ist dann wohl ein weiterer Vorteil, wenn man das Boot nimmt. 🙂
      Wir wünschen dir noch eine super schöne Zeit in Laos – genieß´ es!

  2. Urs Dezember 21, 2016 at 10:25 pm - Reply

    Hiho Dennis
    Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt ….Die Laoten scheinen ja sehr spezielles zu essen oder liegt das mehr an der Fahrweise des Busses?
    In den Philippinen scheinen die Leute Wiederstandsfähiger zu sein auf Busreisen. Dafür frage ich mich mamchmal, ob es nicht besser wäre, ein Flugticket zu kaufen bei den Wahnwitzigen Formel1 Fahrten.

    • Der Autor: Dennis
      Der Autor: Dennis Dezember 31, 2016 at 4:32 pm - Reply

      Halli Hallo,
      ich würde mit 100% Sicherheit sagen, dass das an der Fahrweise der Busse bzw. an den Strecken selbst liegt. Laos ist wirklich sehr sehr kurvenreich. Es gibt eigentlich keine grade Straße – zumindest haben wir keine gesehen. Und da die Busse dann doch immer noch recht rasant fahren, kann einem da wirklich übel werden. Mit dem Fliegen ist es dort so eine Sache. Es gibt lediglich einen Flughafen in Vientiane (der Hauptstadt) und in Luang Prabang und diese werden auch nicht soo häufig angeflogen. Dadurch ist man fast schon gezwungen, mit dem Bus zu reisen. Mit einer Reisetablette gegen Übelkeit, sollte man aber gut bedient sein und die Fahrt halbwegs gut überstehen. 🙂

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