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Phu Quoc Island – irgendwo zwischen Paradies und Baustelle

„Wenn du in Vietnam bist, musst du unbedingt nach Phu Quoc. Das ist absolut traumhaft dort.“ – so hat mich mein bester Freund Jakob vor der Reise auf diese kleine Insel im Süden Vietnams hingewiesen. Kurz vor der Ausreise Richtung Kambodscha hatten wir uns also dazu entschieden einen Flieger nach Phu Quoc zu nehmen und dieser Empfehlung auf den Grund zu gehen. Von Ho Chi Minh City kostete der Flug mit JetStar ca. 50€ und dauerte gefühlt nur 5 Minuten. Auf der Insel angekommen überraschte uns erstmal – nichts. Wie vor jedem vietnamesischen Flughafen wurde man natürlich auch hier von Taxifahrern umgarnt als wäre man Justin Bieber auf einer Teenie-Convention. Wir hatten die Wahl zwischen „Taxi, Taxi, very Cheap“, „Best Price with Taximeter“ und „Sir, Sir, Sir…“. Da ich mich immer ein wenig wie James Bond fühle, wenn mich jemand Sir nennt ist unsere Entscheidung schnell gefallen. Also ab ins Taxi steigen und zur Kontrolle der Route die Maps-App auf dem Smartphone öffnen. Das machen wir immer so, nur um festzustellen, dass uns in Vietnam entgegen aller Vorurteile kein einziger Taxifahrer bisher übers Ohr hauen wollte.

Höllenritt


Den ersten Tag wollten wir den Norden der Insel erkunden. Erste Erkenntnis: Inselpreise heißen Inselpreise, weil es nunmal Inselpreise sind. Hier kostet ein Moped direkt das Doppelte, als ein Moped auf dem Festland. Da es aber nicht soviel „Rent-a-Bike“-Stände gibt und öffentliche Verkehrsmittel nicht zu der Stärke dieser Insel gehören blieb uns keine Wahl und wir liehen ein Moped für 200.000 Dong pro Tag (ca. 8€). Im Norden angekommen fanden wir eigentlich nur Baustellen. Und ich meine hier nicht kleine Baustellen, die man am Straßenrand findet, wenn die Straßenlinien neu gezogen werden. Diese Baustellen erstrecken sich über riesige Areale und lassen einen denken, dass hier ganze Städte hochgezogen werden. Mit dieser Vermutung liegt man sicherlich auch gar nicht so falsch, denn Phu Quoc Island hat seine Attraktivität für Touristen wahrgenommen und rüstet massiv auf. Die unberührten Fleckchen Natur müssen Wasserparks, Hotelresorts und Einkaufszentren weichen. An jeder Baustelle hängen Plakate mit Fotos der geplanten Gebäude – sie wirken ein wenig wie die Kulisse aus „Das 5. Element“ und passen so gar nicht in dieses Szenario. Nach einer 30-minütigen Fahrt durch dieses pre-touristische Gefilde haben wir uns auf eine kleine Seitenstraße gerettet. „Einfach mal raus aus dieser Baustelle“, dachten wir uns. Unsere Abenteuerlust wurde mit den harten Bandagen des Schicksals bestraft: 2 Stunden bei 40°C auf einer reinen Schotterstraße durch das Nirgendwo Phu Quocs erwarteten uns. Halb verdurstet und mit schmerzenden Ärschen kamen wir im Dunkeln im Homestay an. Unsere beiden rumänischen Nachbarn saßen in einer Rauchschwade von Marijuana im Aufenthaltsbereich und begrüßten uns mit grenzdebilen Blick. Sie luden ein, wir lehnten ab. Das Bett war das Einzige, dass uns ein Lächeln entlocken konnte und so freuten wir uns auf den nächsten Tag.

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Coconut Prison


Dieses Mal sollte es in den Süden gehen. Dort gibt es einerseits den Bai Sao Strand, welcher uns von Mia, der Homestay-Besitzerin empfohlen wurde, da es wohl der Schönste der Insel sein soll. Andererseits steht dort das „Coconut Prison“, ein ehemaliges Gefängnis für Kriegsgefangene. Letzteres sollte unser erstes Ziel sein. Nach einer guten Stunde mit dem Motorbike kamen wir dort auch an. Begrüßt wurden wir von einem Eisverkäufer der uns Eis für 10.000 Dong anbot. „Dich muss der Himmel geschickt haben“, dachte ich. Nach ein paar Mal Probelecken änderte ich meine Meinung schlagartig. Dieses Zeug schmeckte weder fruchtig, noch milchig oder süßlich. Um nicht unhöflich zu wirken, ging ich schnellen Schrittes hinter ein Gebüsch, wo ich das Eis entsorgte. Ich bin ja echt nicht pingelig und esse auch mal Sachen, die eher bescheiden schmecken, aber dieses Eis schaffte es nicht meine Toleranzgrenze neu zu definieren.
Das Gefängnis war eigentlich ganz „cool“, falls man das so sagen kann. Im Eingangsbereich gab es viele Fotos (von denen man jedoch die meisten schon aus dem War-Museum in HCMC kannte) und einen Film (der leider auf vietnamesisch war). Das Gefängnis an sich war frei begehbar und mit Puppen wurde das damalige Geschehen nachgestellt. Auf den Wachtürmen standen bewaffnete Wächter und überall wurden Puppen von anderen Puppen gequält und kleine Schilder beschreiben die jeweilige Situation. Auffällig ist, dass die quälenden Puppen (welche allesamt eindeutig vietnamesischer Herkunft sind) durchweg als „American Puppets“, also amerikanischen Marionetten betitelt werden, wohingegen die gefangenen Vietcongs heroisiert werden. Hier macht man es sich mit der Schuldzuweisung vielleicht doch ein wenig leicht, da sich der tatsächliche Sachverhalt sicherlich ein klein wenig komplexer darstellt.

Strandparadies


Mit gedrückter Stimmung, hervorgerufen durch das Vorführen der Gräueltaten in diesem Gefängnis fuhren wir zum besagten Bai Sao Strand. Da war es nun, dass von Jakob als „traumhaft“ betitelte Stückchen Insel. Der Grad an typischen Pauschaltouristen war relativ gering und der Strand war eine einzige Wucht. Der Sand war fein, das Wasser klar und das Ambiente total entspannend. Hierfür hatte sich die Anreise gelohnt. Nach ein paar Stunden verdientem Nichtstun ging es dann aber wieder zum Homestay zurück. So sah es der Plan zumindest vor, jedoch machte uns der Sonnenuntergang einen Strich durch die Rechnung und wir machten spontan Stop an einer willkürlichen Stelle an der Küste. Dort entdeckten wir einen Strand, der dem vorher beschriebenem in Nichts nachsteht, jedoch komplett unberührt war. Lediglich eine kleine Wellblechhütte, in der eine einheimische Familie lebte und ein paar Fischerboote durchbrachen die Einsamkeit dieses Ortes. Wer die Augen offen hält, bekommt hier also auch noch kleine Paradiese zu sehen.
Da wir die gesamte Insel an den ersten zwei Tagen abgefahren hatten, verbrachten wir die nächsten Tage eher im näheren Umfeld. Dazu zählen die Hauptstadt Phu Quocs, der Nachtmarkt und unzählige kleine Essendstände. An sich alles sehr nett, aber auch nichts was man nicht im Rest Vietnams schon erspäht hätte. Trotzdem sind wir froh es noch gesehen zu haben, denn es scheint so als würde diese Insel in 10 Jahren eine ganz andere sein. Dann heißt es nämlich „Welcome to Phu Quoc Island, the biggest Resort in Vietnam“.

Der Autor: Dennis

Yüha, ich bin Dennis. Ich habe einen Faible für Rap-Musik, kreatives Marketing und frittiertes Essen. Für mich ist Reisen die Möglichkeit, meinen Alltag auf Stand-by zu schalten. Außerdem finde ich, Herrenhäuser ist das beste Bier. Cheers!

2016-12-19T14:36:57+00:00

2 Comments

  1. Vanessa Januar 8, 2017 at 5:47 pm - Reply

    Hey Dennis,

    „Dort entdeckten wir einen Strand, der dem vorher beschriebenem in Nichts nachsteht, jedoch komplett unberührt war.“ –> Kannst du mir vielleicht verraten, wo in etwa sich dieser Strand befindet?

    Merci 🙂

    • Der Autor: Dennis
      Der Autor: Dennis Januar 26, 2017 at 10:59 pm - Reply

      Hey,

      bitte entschuldige vielmals, dass wir erst jetzt antworten! Der Kommentar ist uns irgendwie „durchgerutscht“.
      Den Strand entdeckten wir aus vom Flughafen kommend in Richtung Duong Dong. Irgendwann kommt auf der linken Seite der Straße ein kurzer Abschnitt an dem einige ziemlich hohe Palmen stehen und kurz danach hat man einen traumhaften Blick aufs Meer und an der Stelle – kurz bevor man Duong Dong erreicht – ist dieser Strandabschnitt.
      Ich hoffe wir konnten dir noch weiterhelfen – wenn auch etwas spät. Sorry!

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