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Ho Chi Minh City aka Saigon – das modernere Vietnam

Saigon – unser letzter Stop in Vietnam

Nach fast 3 Monaten in Vietnam, kamen wir nun zu unserer letzten Station: Saigon. Während der Norden und Zentralvietnam einen ganz eigenen Charme hatten, war das Vietnam, was uns in Saigon erwartete, ein ganz Anderes. Schon von Weitem wirkte es viel moderner und die Hochhäuser begrüßten einen – wir fühlten uns beinahe ein wenig heimisch! Als der Bus den Busbahnhof erreichte wurde es noch klarer: Saigon ist anders als der Rest Vietnams. Hier hat man zum ersten Mal wirklich das Gefühl in einer Metropole angekommen zu sein. Mit 8,2 Millionen Bewohnern ist Saigon nicht nur die bevölkerungsreichste Stadt Vietnams, sie ist zweifelsohne auch das Wirtschaftszentrum dieses Landes. Die Vielfalt dieser Stadt bietet wirklich für jeden etwas. Wer Lust hat wochenlang zu feiern ist in Saigon genauso richtig wie derjenige, der sich für die Geschichte Vietnams interessiert.

Unterkunft in Saigon – Vietnam mal anders

Beherbergt hat uns in Saigon das Lee-Hostel, welches direkt auf der Bui Vien-Street liegt, der Partymeile der Stadt. Zwar wurde es bei Booking.com als Dorm mit 10 Betten beworben, in echt waren es aber 24. Wir hatten auch schon vorher in mehreren Dorms geschlafen, jedoch nicht in so Großen. Erste Erkenntnis: Je größer der Dorm, desto anonymer wird es. Während wir in Zimmern mit 4-8 Betten noch mit jedem Kontakt hatten und meist auch zusammen etwas unternommen wurde, so wurde hier kaum noch persönlich begrüßt, wenn jemand das Zimmer betrat. Unser Verständnis von sozialer Gemeinschaft beinhaltet zwar, dass man sich jedem vorstellt, mit dem man Zeit zusammen verbringt, jedoch waren wir damit so gut wie alleine. Naja, im Endeffekt haben die meisten Leute dann auch immer schon geschlafen, wenn wir abends heimkamen und sie waren alle schon weg, wenn wir morgens aufwachten. Es fühlte sich ein wenig an, wie ein viel zu groß geratenes Doppelzimmer. Da die Lage und der Preis (4€ pro Nacht) für Saigon – und auch für Vietnam allgemein – unschlagbar waren, haben wir uns damit arrangiert.

Saigon zeigt die Geschichte von Vietnam – „Museum der amerikanischen Kriegsverbrechen“

Wir hatten für Saigon eine Menge Punkte auf der Liste, aber ganz oben stand für uns ein Besuch im „Kriegsopfermuseum“. Die Bewertungen auf TripAdvisor schwankten zwischen „Muss man gesehen haben“ und „Das treibt einem einfach die Tränen in die Augen“. Im Endeffekt würde ich beide Aussagen unterschreiben. Auch wenn der heutige Name „Kriegsopfermuseum“ ist, so wird der ehemalige Name „Museum der amerikanischen Kriegsverbrechen“ dem Ganzen gerechter. Auf mehreren Etagen wird einem vor Augen geführt, zu was für Taten Menschen fähig sind. Das Sortiment reicht von Soldaten, welche lachend mit enthaupteten Köpfen unterm Arm in die Kamera strahlen, bis hin zu Guillotinen und sogenannten Tiger Cages (kleine Zellen aus Stacheldraht, welche direkt in der Sonne platziert wurden, um Gefangene bei lebendigen Leib zu Grillen). Besonders stockt einem der Atem jedoch beim Betreten des Raums, welches sich mit „Agent Orange“ beschäftigt. Hierbei handelt es sich um eine Chemiewaffe, welche von den Amerikanern großflächig über Vietnam abgeworfen wurde. Ziel dieser Bomben war es, die Wälder zu vernichten, damit sich die Viet Cong nicht mehr verstecken konnte. Nebenwirkung, welche wohlwollend von den Amerikanern hingenommen wurde war, dass dieses Gift massiv die Gene der Bevölkerung verletzt. Dadurch haben die Vietnamesen bis heute mit einer enorm hohen Quote an Menschen mit Behinderung zu kämpfen. Es ist wirklich schlimm, dass dieses wunderbare Land noch Jahrzehnte nach dem Krieg mit den Nachwirkungen zu kämpfen hat. Und noch schlimmer ist, dass diese Nachwirkungen von einzelnen Privatpersonen ausgehalten werden müssen. Das macht einen wirklich nachdenklich. Zwar ist dieses Problem nur bedingt im Alltag der Touristen präsent, jedoch haben wir erfahren, dass es in Vietnam sehr viele Behindertenwerkstätte gibt, welche sich um die Opfer der Kriegs kümmert und man deswegen kaum welche auf der Straße sieht. Wir fanden das Museum auf jeden Fall sehr eindrucksvoll und würden jedem, der Saigon besucht, einen Besuch ans Herz legen. Einziges Manko ist in unseren Augen die sehr einseitige Berichterstattung. Wieder sind die Amerikaner fast schon karikaturistisch als Bösewicht und die Viet Cong als Helden dargestellt. Dieses Bild ist sicherlich ein wenig vereinfacht.

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Die Geschichte Saigons – Cu Chi Tunnels

Wer nach dem Museum noch mehr über den Vietnamkrieg (der in Vietnam übrigens Amerikakrieg genannt wird) wissen will, sollte sich die Cu Chi Tunnels, nahe Saigon, ansehen. Hier erfährt man an originalen Schauplätzen, wie sich die eigentlich unterlegenen Viet Cong gegen die übermächtige Großmacht Amerika durchsetzen konnte. Auf beeindruckende Art und Weise haben die Viet Congs ihr Wissen über die vietnamesische Landschaft und ihre geringe Körpergröße zum unüberwindbaren Vorteil gemacht. Auch man selbst darf durch die Cu Chi Tunnel robben, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es dort aussah. Die Tunnel für die Touristen sind jedoch extra vergrößert worden, da ein normal gewachsener Europäer des 21. Jahrhunderts in den original Tunneln keinen Platz finden würde. Am Ende der Tour geht es dann noch zum Schießstand. Während es für die amerikanischen Touristen wohl eher nichts besonderes mehr ist, so war es für uns eine gänzlich neue Erfahrung Waffen live zu sehen und auch zu benutzen. Nach ein paar Schüssen für umgerechnet 20 € ging es dann auch wieder zurück nach Saigon.

Saigon bei Nacht – Die Partymeile Bui Vien-Street

Während tagsüber die Bui Vien-Street einer normalen Touri-Straße gleicht, auf der sich Souvenirläden und Restaurants abwechseln, so zeigt sie nachts ihr wahres Gesicht. Es wird laut, bunt und hell. Überall rufen Straßenschreier, dass es in ihrer Bar den besten Discount in ganz Saigon gibt und Massagemädchen versuchen die angetrunkenen Touristen in ihren Salon zu bekommen. Abgerundet wird dieses Bild durch Feuerspucker und Drogendealer, die einen alle paar Meter ihre Ware anbieten. Hier ist es also – Saigon bediente das Klischee, dass ich vor meiner Reise von asiatischen Großstädten hatte. Man schwankt oft zwischen erstaunen, was es so alles gibt und bedauern, was so alles gibt. Wer mag kann sich hier sicherlich die ein oder andere Nacht um die Ohren schlagen. Unsere erste Nacht hatten wir mit einem Pub-Crawl durch Saigon begonnen, da unser Hotelbesitzer uns dazu eingeladen hatte. Es war ein schöner und vor allem langer Abend. In den nächsten Tagen mussten wir jedoch feststellen, dass die Qualität eines Pub Crawls natürlich weniger von den Bars, sondern vielmehr von den teilnehmenden Leuten abhängt. Daher sind wir beim zweiten Pub Crawl, den wir wieder auf Einladung des Hotelbesitzers mitgemacht hatten, auf halbem Weg abgesprungen.

Saigon ist nicht immer Vietnam – China Town

Da es auch sehr viele Chinesen in Saigon gibt, hat sich hier eine China Town gebildet. Mit dem Linienbus Nummer 1 machten wir uns auf den Weg dorthin. Wir haben einen Nachmittag hier verbracht und fanden es schön, aber auch nicht zu besonders. Wer viel Zeit hat kann sich sicherlich mal hier hin verirren. Wer es jedoch nicht schafft, hat auf keinen Fall was verpasst. Es war auf jeden Fall schön, mal wieder in einer Gegend zu sein, die nicht von Europäern und Amerikanern dominiert wurde, so dass man hier noch ehrlich verwundert bestaunt wurde, warum sich ein Tourist in diese Gegend von Saigon wagt. Es gab leckeres Streetfood und eine Menge Straßenstände – das war es dann aber auch.

Saigon aufs Dach steigen– der Bitexco Financial Tower

Da wir wie besagt schon von weitem von den Hochhäusern begrüßt wurden, wollten wir es uns nicht nehmen lassen auch mal auf einen rauf zu steigen. Wir entschieden uns für den Bitexco Financial Tower, immerhin ist er ein Wahrzeichen Saigons und er hat eine coole Aussichtsplattform an der frischen Luft – von wegen. Wir gingen in das Gebäude und fragten, wie wir auf diese Platform kommen können. Der Typ an der Rezeption schaute nur verdutzt. „Thats only for Helicopters!“ – Schade! Aber wir gingen natürlich trotzdem hoch um Saigon von oben zu bestaunen. Als Hochhausneuling wäre es sicherlich beeindruckend gewesen, für einen Frankfurter war es aber eindeutig ein Downgrade im Vergleich zur Aussicht vom Maintower. Einzig die Fernrohre, mit der man ein wenig voyeuristisch das Stadtleben von Saigon beobachten konnte, haben uns den Besuch wertschätzen lassen.

Typische Sehenswürdigkeiten in Saigon – Independence Palace, Notre-Dame-Cathedral, Post Office, Ho-Chi-Minh-Monument, Ben Thanh Market, Opernhaus

Ganz oben auf der To-Do-Liste in Saigon steht oft der Besuch des Independence Palace, der Notre-Dame-Cathedral, des Postamtes, des Ho-Chi-Minh-Monuments, des Opernhauses und eventuell auch ein Besuch des Ben Thanh Marktes. Ja, das alles sind nette Sehenswürdigkeiten die einen Besuch lohnen, jedoch sollte man hier nicht all zu viel Zeit einplanen, da es dann doch nicht sooo viel zu sehen gibt. Da diese Sehenswürdigkeiten alle relativ nah beieinander liegen, lassen sie sich bei einem ausgedehnten Spaziergang gut erkunden.

Alles in allem sind wir doch große Fans von Saigon. Viele sehen das zwar anders, weil es ihnen zu laut, schnell und nicht traditionell genug ist, aber in unseren Augen gehört Saigon ebenso zu Vietnam wie jede Andere auch. Statt diesen Fortschritt zu verteufeln und als untypisch darzustellen, sollte man sich eher für die einheimische Wirtschaft freuen, da diese hier beginnt Fuss zu fassen.

Wir freuen uns, wenn ihr eure Eindrücke zu Saigon in den Kommentaren hinterlasst. Auch Fragen nehmen wir natürlich gerne entgegen und versuchen euch weiter zu helfen.

Der Autor: Dennis

Yüha, ich bin Dennis. Ich habe einen Faible für Rap-Musik, kreatives Marketing und frittiertes Essen. Für mich ist Reisen die Möglichkeit, meinen Alltag auf Stand-by zu schalten. Außerdem finde ich, Herrenhäuser ist das beste Bier. Cheers!

2016-12-19T14:36:57+00:00

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