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Tagestour ins Mekong-Delta – ein kultureller Reinfall

Fast 3 Monate haben wir in Vietnam verbracht und ziemlich viel vom Land gesehen. Als letzter Punkt stand noch das Mekong-Delta auf der To-Do-Liste. Durch den fruchtbaren Schlammboden, den der Mekong mit sich bringt, ist das Mekong-Delta ein wichtiger Standort für Landwirtschaft in Vietnam. Nicht umsonst nennt man das Mekong-Delta auch die „südliche Reiskammer Vietnams“. Aber nicht nur Reis, sondern auch Fisch, tropische Früchte, Gemüse, Zuckerrohr und Kokosnüsse werden produziert. Diesen „besonderen“ Ort, wollten wir uns also nicht entgehen lassen.

Unser 3-monatiges Visum neigte sich stark dem Ende zu, daher entschlossen wir uns lediglich eine Tagestour von Ho-Chi-Minh-City aus ins Mekong-Delta zu machen – falsche Entscheidung! Für umgerechnet ca. 7 Euro buchten wir den Bus, Tourguide, eine Bootsfahrt und das Programm ohne genau zu wissen, was uns dort erwartet.

Die Tour ins Mekong-Delta


Begonnen hat unsere Tour ins Mekong-Delta um 7:30 Uhr morgens – eine Zeit in der in Vietnam anscheinend alle schon fit sind. Während in Deutschland um diese Uhrzeit Leute entweder zur Arbeit gehen oder vom Feiern Heim kommen, wirkt das Straßenleben hier schon ausgeschlafen und frohlockt munter auf den Hauptstraßen. Nach ca. 3 Stunden Fahrt erreichten wir einen kleinen Ort im Mekong-Delta – Name unbekannt. Eine (hier ganz normale) brühende Hitze peitschte uns über den Schotterweg zum ersten Punkt unserer Agenda: eine kleine Imkerei. Nach langem Warten (da noch eine andere Gruppe fast zeitgleich mit uns ankam), bekamen wir dann eine Tasse Honigtee und jeder hatte die Möglichkeit ein Beweisfoto mit einem Schwarm Bienen in der Hand zu machen. Das Ganze endete mit einer musikalischen Einlage einer einheimischen Band. Sie spielte traditionelle Lieder und auch ohne vietnamesische Sprachkenntnisse konnte ein findiger Zuhörer erkennen, dass jedes Lied um Vietnam und Ho-Chi-Minh ging. Der Gesang war schrecklich und die Instrumente furchtbar schief, doch da mein Herz Straßenkünstlern gehört, drückte ich ihnen ein wenig Trinkgeld in die Hand und bedankte mich für diese musikalische Meisterleistung. Ich glaube ich bin ein ziemlich schlechter Lügner… und ich glaube sie denken genauso.

Weiter ging es im Programm, nämlich zur Anlegestelle der kleinen Boote, die uns zu unserem nächsten Stop bringen sollten. In ein Boot passten 4 Personen und unsere Gruppe bestand aus ungefähr 50 Personen. Demnach mussten wir eine gefühlte Ewigkeit in dieser tropischen Hitze ausharren, bis wir endlich im Boot saßen. Damit die Touristen auch schöne Selfies machen konnten, gab es für jeden einen dieser typisch-vietnamesischen Hüte. Der Paddler stöhnte und keuchte vor Anstrengung. Ich war mir nicht ganz sicher, ob er das bewusst macht, um mehr Trinkgeld abgreifen zu können oder ob wir wirklich ein paar Kilo abnehmen sollten, bevor wir weiterhin fremde Menschen für uns paddeln lassen. Auch wenn die Aussicht aufgrund der Pflanzen um einen herum stark beschränkt war, so hatte dieses langsame Schippern über den Mekong bzw. einen kleinen Ausläufer davon, doch seinen Reiz.

Am nächsten Punkt angekommen, erfuhren wir wie Coconut-Candy entsteht, haben eine Schlange um den Hals gelegt bekommen und ein paar vietnamesische Schnäpse verköstigt und dann ging es auch schon wieder weiter.

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Mit einem diesmal größeren Boot ging es über den Mekong, hin zu einem Restaurant, wo es etwas zu Essen gab. Anschließend folgte auch schon die Fahrt zurück ans Festland. Bevor wir endgültig den Heimweg antraten, machten wir noch einen kurzen Abstecher zu einer Pagode mit riesigen Buddha-Statuen. Die Hitze machte uns wirklich zu schaffen, sodass wir nur schnell ein paar Fotos machten und direkt wieder zurück in den Bus flüchteten. Den Heimweg nutzte der Tourguide nochmal, um alle Fragen rund um Ho-Chi-Minh-City zu beantworten. Er sei dort geboren (was durchaus etwas besonderes ist, da 9 von 10 Einheimischen mit denen ich geredet hatte zugezogen waren – sozusagen das Berlin Vietnams) und kenne sich daher blendend aus.

Fazit des Ausflugs


An sich kann man sich nicht beschweren, denn für den Preis von ca. 7 US-Dollar hat man viel geboten bekommen und auch der Tourguide war wirklich sehr nett und hat sich viel Mühe mit uns gegeben. Jedoch kann man nach dieser 1-tägigen Tour wirklich nicht behaupten, man hätte das Mekong-Delta kennengelernt – was echt schade ist. Daher war es für uns eher ein kultureller Reinfall. Dies ist aber ein allgemeines Problem bei diesen kurzen, organisierten Touren. Für Leute die wenig Zeit haben ist dies sicherlich eine gute Alternative, um möglichst viel vom Land zu sehen. Wir haben jedoch schon nach unserer ersten Agentur-Tour in Hanoi gemerkt, dass wir so nicht Reisen wollen und uns seitdem erfolgreich selber durchgekämpft. Hier ist uns wieder aufgefallen warum wir so entschieden haben. Trotzdem sind wir froh es gemacht zu haben, um zumindest oberflächlich das Mekong-Delta einmal gesehen zu haben. Für alle die mehr Zeit haben, empfehlen wir aber entweder eine mehrtägige Tour zu machen oder einfach für eine längere Zeit z. B. nach Can Tho zu fahren und das Mekong-Delta sozusagen vor Ort zu erkunden.

Falls ihr andere, vielleicht sogar sehr positive Erfahrungen mit Tages-Touren ins Mekong-Delta gemacht habt, lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen. Wenn ihr noch Fragen zu dem Thema habt, ebenfalls gerne her damit. 🙂

Der Autor: Dennis

Yüha, ich bin Dennis. Ich habe einen Faible für Rap-Musik, kreatives Marketing und frittiertes Essen. Für mich ist Reisen die Möglichkeit, meinen Alltag auf Stand-by zu schalten. Außerdem finde ich, Herrenhäuser ist das beste Bier. Cheers!

2016-12-19T14:36:57+00:00

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