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Waisenhäuser in Kambodscha

Das Geschäft mit dem Mitleid

Wir wissen, dass wir uns mit diesem Thema wahrscheinlich auf ganz dünnem Eis bewegen, da es viele Meinungen und Ansichten dazu gibt, aber dennoch ist es uns ein Anliegen unsere Sicht der Dinge an euch heran zu tragen.

Als wir in Siem Reap waren, sind uns neben Restaurants, Massagesalons und Hotelgebäuden die überdurchschnittlich vielen Waisenhäuser aufgefallen. Da das natürlich ein sehr trauriges Thema ist, haben wir es uns zum Anlass genommen, mal etwas im Internet zu recherchieren.

Gefunden haben wir zunächst einmal diese erschreckende Zahl: Seit 1995 ist die Anzahl der Waisenhäuser um 65% gestiegen, wobei die Anzahl der Waisenkinder nicht im selben Maß gestiegen sein dürfte. Woran das liegt? Wir wollen euch unsere Recherche-Ergebnisse nicht vorenthalten und haben diese kurz und knapp zusammen gefasst!

In Kambodscha ist das Besichtigen der Waisenkinder zum regelrechten Trend unter Reisenden geworden.  Auch die Nachfrage westlicher Jugendlicher, die nach dem Abitur gerne Wohltätigkeit und Urlaub verbinden wollen ist immens. Um diese Nachfrage befriedigen zu können, werden immer mehr Waisenhäuser gebaut, welche dann meist mit Kindern aus ärmlichen Familien gefüllt werden (wohlgemerkt – NICHT mit Waisenkindern!). Statt einer ordentlichen Schuldbildung gibt es oft nur Lektionen darin, dem Touristen herzergreifende Momente zu bescheren – immerhin zahlen diese dafür.

Diese „Fakten“ haben uns sehr erschrocken und betroffen gemacht. Natürlich besuchen die meisten Menschen solche Waisenhäuser, weil sie den Kindern gerne helfen wollen. Jedoch sollte man sich bewusst darüber sein, dass das eben auch genau das Gegenteil bewirken kann.

Wir wollen damit auf keinen Fall sagen, dass man den armen Kindern, die wirklich keine Eltern mehr haben, nicht helfen soll. Ganz im Gegenteil, diese Kinder brauchen wahrscheinlich sehr dringend Hilfe. Wichtig finden wir an dieser Stelle nur, dass man sich ausgiebig darüber informiert und sich bewusst macht, wie man den Kindern hier wirklich helfen kann und welche Organisationen dafür die richtigen und vor allem vertrauenswürdigen Ansprechpartner sind.

In diesem Video erfahrt ihr mehr zu dem Thema.

Wir wollen an der Stelle noch einmal betonen, dass wir weder ein Waisenhaus besucht, noch mit einem Waisenkind oder einem Verantwortlichen gesprochen haben. Unsere Meinung stützt sich lediglich auf diverse Berichte und Reportagen aus dem Internet. Natürlich  kann man jetzt sagen, dass man ja im Internet viele Informationen findet, die noch lange nicht der Wahrheit entsprechen müssen und ja, das ist auch richtig. Doch wir können solche Informationen auch nicht einfach verdrängen und müssen genauso davon ausgehen, dass diese traurigen Geschichten der Wahrheit entsprechen. Und selbst wenn nur ein kleiner Funken Wahrheit dahinter steckt, haben es diese Kinder verdient, dass man darauf aufmerksam macht und aufklärt, um zu verhindern, dass der Waisenhaus-Tourismus weiter wächst.

Der Autor: Dennis

Yüha, ich bin Dennis. Ich habe einen Faible für Rap-Musik, kreatives Marketing und frittiertes Essen. Für mich ist Reisen die Möglichkeit, meinen Alltag auf Stand-by zu schalten. Außerdem finde ich, Herrenhäuser ist das beste Bier. Cheers!

2016-12-19T14:36:57+00:00

2 Comments

  1. Lisa Juni 18, 2016 at 7:46 am - Reply

    Hallo:) danke für deinen Beitrag. ich war für zwei monate in einem waisenhaus in ghana..dort haben wir bei der familie gewohnt, denen das waisenhaus gehört, also der frau, die es gegründet hat..ich habe gesehen, dass die waisenkinder wenig und sehr einseitig zu essen kriegen, dass bei denen das essen an erster stelle steht und sonst im grunde nichts wichtig ist…also das zeugt für mich schon, dass sie wirklich an hunger „leiden“. es ist nicht so fein anzusehen, aber ich muss sagen, ich habe während der zwei monate nicht wirklich momente gehabt, wo ich richtig darunter gelitten habe, das mit anzusehen, das klingt vielleicht hart, aber ich bin mir einfach dessen bewusst, dass jeder sein eigenes leben aussucht, mit genau den lektionen, die er braucht als seele zu wachsen. (ok ist ein anderes thema). aber der punkt, warum ich euch bzw. dir lieber dennis schreibe ist, diese frau „sammelt“ auch kinder von straßen auf, denen es scheint nicht gut zu gehen, ich glaube auch oft, dass diese kinder eltern haben, die sie entweder verstoßen haben oder verwahrlost lassen haben..natürlich brauchen diese hilfe. aber diese mutter (also die gründerin des waisenhauses) lebt von den geldern, die wir freiwillige für aufenthalt+übernachtung usw. zahlen (es ist klar, dass wir zahlen müssen für essen und unterkunft, war auch super super organisiert, wir bekamen immer super essen), aber dennoch wird dauern gebettelt, die kinder brauchen das, die kinder brauchen das, einfach auf mitleid plädiert..naja verstehe ich irgendwie, die mutter macht sich die mühe, die kinder aufzunehmen, klar ist es eine win-win situation. die kinder kriegen essen und unterkunft und uns freiwilligen ist unsere reiselust, hilflust usw. befriedigt..aber solange die menschen immer nur auf das geld der weißen menschen hoffen, wird sich bei denen nie was ändern..klar auf der welt ist ein miteinander und ein jeder hilft jedem und ein allsein! aber ich sehe es auch nicht ein, wenn man aus falschen motiven was tut. und da muss ich sagen, ist es gut, wenn man sich bevor man einfach mal so drauflos spendet oder glaubt, den menschen dort wirklich zu helfen, besser ist, bzw. sie mehr befriedigt sind, wenn ich ihnen geld gebe, als wenn ich unten bin..weil sie manchmal einfach geld mehr schätzen wie alles andere…und sie sind genauso geld fixiert wie wir auch…im großen und ganzen möchte ich einfach sagen, dass es wichtig ist, zu akzeptieren, dass ich mir mein leben so ausgesucht habe sowie sie sich es auch haben und nicht in deren „mitleid“ und „ja wir haben nichts und blablabla“ gezogen wird. einfach abwegen und schauen, wo man wirklich gerne hilft. weil man kann nicht jedem menschen geld geben, der verlangt.
    danke fürs durchlesen

    • Der Autor: Dennis
      Der Autor: Dennis Juni 19, 2016 at 5:50 pm - Reply

      Hallo Lisa,
      vielen lieben Dank erst einmal für deinen Kommentar zu diesem sensiblen Thema.
      Uns war es einfach in dem Fall von Kambodscha ein Anliegen darauf hinzuweisen, dass hier wohl das Geld der Touristen und die Bereitschaft etwas Gutes zu tun dazu führt, dass hier völlig falsche Wege eingeschlagen werden (Kinder werden mit einem strengen Vertrag ihren Eltern weggenommen). Genau wie du auch sagst, sind wir der Meinung, dass man vorher eben ganz genau hin schauen sollte, wo man tatsächlich helfen kann und wo die Hilfe wirklich den Kindern zu Gute kommt.
      Lieben Gruß

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