„Welcome to Hong Kong“

BIGJOURNEY - Reiseberichte - Hong Kong Kowloon

Querschnitt einer Metropole

Wenn man mich vergangene Woche gefragt hätte, wie ich das Stadtbild von Hong Kong einschätze, hätte ich wahrscheinlich folgende Punkte genannt: Laut, stylisch und voll. Mir war jedoch nicht bewusst, wie recht ich damit haben sollte. Es ist lauter als Berlin, stylischer als Paris und voller als New York… Und es ist von allem irgendwie ein wenig zu viel.

Ich hatte schon oft von der Überbevölkerung in asiatischen Großstädten gehört, doch hier wurde mir die Tragweite dessen bewusst und was dies wirklich bedeutet. Diese Stadt besteht fast ausschließlich aus Wohngebäuden die jedem Frankfurter Hochhaus Konkurrenz machen und trotzdem ist der Wohnraum so knapp, dass die Zimmer teilweise nur einzelne Matratzen beherbergen können.

Unser Couchsurfing-Host Kyle stand für mich sinnbildlich für dieses Problem; er ist dieser Stadt überdrüssig geworden und will unbedingt nach Europa auswandern. Dort könne man wenigstens die Sterne und den Horizont sehen, so sagt er. Während die Hochhäuser für uns eine gewisse urbane Faszination ausstrahlen, so sind selbige in Hong Kong lediglich Mittel zum Zweck: Hong Kong bietet sehr wenig bebaubare Fläche und muss daher zwangsläufig in die Höhe bauen. Dies geht sogar soweit, dass traditionelle Tempel abgerissen werden, um neue Wohnfläche zu schaffen.

Auf den Straßen wird dieses Problem nochmal deutlicher, denn teils wirken normale Gassen wie das Brandenburger Tor zu Silvester. Und als wäre das nicht schon genug, ist man zusätzlich noch von einem ständigem Gestank umgeben. Ich frage mich ernsthaft, ob die Einheimischen diesen Geruch aus faulen Eiern und frittierten Seafood einfach nicht eklig finden, oder ob sie sich einfach damit abgefunden haben. Denn während ich mit Hand vor dem Mund mein Schritttempo erhöhen muss um nicht den gesamten Bordstein voll zu kotzen, bleibt der gestandene Hongkonger seelenruhig mitten in dieser Wolke stehen und redet über Gott und die Welt. Nicht selten ist die angespannte Lage zwischen Regierung und Volk Thema dieser Unterhaltung, denn die Bürger fühlen sich zum Großteil nicht von der Regierung vertreten und haben ein Gefühl der Machtlosigkeit. Wie akut und ernst die Lage ist, wurde an unserem letzten Abend in Hong Kong klar, an dem es zu großen Ausschreitungen zwischen Bürgern und Polizei kam.

Wenn man mich heute fragt, wie ich das Stadtbild von Hong Kong einschätze, werde ich wahrscheinlich nur noch einen Punkt nennen: Einfach zu viel von allem. Aber vielleicht sind wir Europäer bloß was anderes gewöhnt, denn als wir mit Kyle durch die Straßen zogen und er sah wie wir uns aufgeregt durch die Masse drückten, entwich ihm lediglich ein kleines Lächeln gepaart mit den Worten: „Welcome in Hong Kong!“

Der Autor: Dennis

Yüha, ich bin Dennis. Ich habe einen Faible für Rap-Musik, kreatives Marketing und frittiertes Essen. Für mich ist Reisen die Möglichkeit, meinen Alltag auf Stand-by zu schalten. Außerdem finde ich, Herrenhäuser ist das beste Bier. Cheers!

2018-01-26T21:49:59+00:00

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